IN SOLITUDE – Same CD

15,50

Was ist nur mit den Schweden los? Jahrelang dachte man, der Knüppelmetalvirus und das Plüschmetalsyndrom hätten das
Land inzwischen rockmusikalisch ins Pflegeheim gebracht, Pflegestufe 3, inklusive durchgelegener Musikindustrie. Von WOLF und den schwedischen DEFENDER (aus der Ex Deathmetalband AFFLICTED hervorgegangen, die schon auf ihrem 95er Zweitwerk astreinen, eigenständigen Heavy Metal gebracht haben) mal abgesehen, schien um die Jahrtausendwende echt tote Hose zu sein. Ich hatte das Land aufgegeben, doch 2006 bis 2009 sind irgendwie gute Jahre für den schwedischen Heavy Metal, es prasselt auf uns herein, die Kreativität sprudelt in allen Ecken. Erst waren es BULLET, PORTRAIT, ENFORCER, nun legen IN SOLITUDE einen nach. Die 80er sind ihr Steckenpferd, obgleich sie eigentlich noch gar nicht geboren waren, als MERCYFUL FATE ihre glorreiche „Don’t break the oath“ oder Satan ihren „Court in the act“ Wahnsinn auf den Markt warfen, von „Death or glory“ der einzigartigen HEAVY LOAD ganz zu schweigen. Oder der „Power games“ von 220 VOLT. Verdammtes Namedropping, ich weiß, aber ich will meinen Lesern gleich einen Vorgeschmack geben, was ihn denn hier erwartet. Schwedisch / skandinavischer Heavy Metal nämlich mit enormem Melodienanteil beim Gesang, aber ohne pathetisch verkitschte Schlageranteile, wie bei den großen Mainstreamacts des Genres und ihrem schmierigen, unkreativen Gefolge aus aller Welt. Gut, ein wenig von diesem „ver british“ anmutenden Charme, den viele alte Schwedenbands, gerade in den Anfangsjahren, mitbrachten, ist hier ebenfalls zugegen. Der Sound ist glasklar, dabei aber immer schön erdig und lebendig, zeigt Tiefe, viel Raum für packende Ideen, die sich mit jedem Anhören mehr entfalten. Die Songs leben von sich geradlinig anfühlenden Parts mit vielen feinen Gitarrenmelodien und einem prägnanten Bass, der nicht allein dem Schlagzeug folgt, sondern seine eigenen kleinen Melodiebögen spielt. Für Solopassagen wechselt man auch gerne mal. Schon beim Opener „In the darkness“ kommt die Verspieltheit der jungen Herren voll zum tragen. Die Grundharmonien haben alle eine positive Ausstrahlung, die Gesangslinien können eine leichte Melancholie mit sich bringen, die sich aber durchaus mit dem Feeling der Instrumente verträgt. IN SOLITUDE haben das Händchen für Songs, die einerseits sehr eingängig und einprägsam, andererseits wohlvertraut klingen. Innovationen sind bei einem solch orthodoxen Herangehen an das Thema Heavy Metal nicht zu erwarten und ich bin nicht traurig darüber, solange die Kompositionen mit Frische und vor allem mit Eiern im Sack mein Wohnzimmer in einen Ritualraum verwandeln. So geschehen beim zweiten Song „Witches sabbath“ und seinem unwiderstehlichen, mystischen Refrain. Es scheint ein typisch schwedisches Phänomen, gigantische, erhabene, vor allem aber beschwörend sinistere Gesangslinien zu komponieren. Naja, sagen wir ein skandinavisches Phänomen, wobei ich auf viele Bands wie SORCERER, CANDLEMASS, HEAVY LOAD, MERCYFUL FATE (die ja bekanntlich aus der südschwedischen Kolonie Dänemark kommen) und ähnliche Acts hinweisen möchte. Oh, schon wieder Namedropping. Aber gut, manchmal ist es gar nicht schlecht.Schön beschwörend und dunkel ist auch der dritte Song „Kathedral“ (ja, mit „k“), der erst mit einem doomigen Dahinwogen beginnt und dann in einen hypnotisch tänzelnden Mid Tempo Banger mit schön eigenwilligen Riffs urtraditioneller Spielweise übergeht, zum Solo wieder dem klassischen 70s Heavyrock Dahinwogen frönt und dann auch noch in eine Passage mit rollenden Doublebasstriolen übergeht, wo entweder wie besessen soliert oder majestätisch gesungen wird. Herrlich. Solch ein Killersong hat tausendfach mehr Ausstrahlung und Kraft als alle aalglatten Gothic“metal“ Hymnen für kleine dicke Mädchen mit ihrer zu tode digitalisierten Plastikproduktion. Das Gefühl dieses Albums, welches es bereits von HIGH ROLLER RECORDS als LP Auflage gibt, ist sehr intensiv, sehr stark, sehr gemeinschaftlich. Du schließt die Augen und findest Dich inmitten einer wogenden und wallenden Mauer aus Leibern wieder, alle in Jeans und Leder gehüllt, mit stinkenden, schmierigen, vor Aufnähern nur so strotzenden Kutten und langen Haaren, die entschlossen die Fäuste nach oben recken und nahezu ausflippen, wenn die Gitarristen zu Soli ansetzen, die in einer Gemeinschaft mit fast religiöser Hingabe dieser Musik huldigen, ihren Frust und ihre Rebellion zusammen mit ihren Freunden und Metalbrüdern ausdrücken. Im Grunde der Armee der Finsternis für alle blasierten Schlipsträger und Schnösel, die nicht einmal mehr vor unserer Szene haltmachen und unsere Seelen mit eben jenem, oben schon angesprochenen „Schlager plus verzerrte Gitarren“ Sound vergiften wollen. IN SOLITUDE lehnen sich dagegen auf, sind mit den anderen frischen schwedischen Waffenbrüdern in die ersten Linie eingezogen, unsere Musik gegen Mainstreamverdummung und Inspirationslosigkeit mit Feuer und Schwert, natürlich auch der Axt zu verteidigen. Wenn die Leadgitarre wie in „The seventh ghost“ Blitze in die anstürmenden Baseballcapträgerhorden mit ihren schrecklichen, wie Hautkrankheiten aussehenden Tribaltattoos und den abgesäbelten Tarnhosen feuert, die „Wall of Death“ der Metalcoretrendjünger zum Wanken und Fallen bringt und wackeren Recken die dampfenden Kadaver als Kugelfang in den eigenen antimainstreamigen Schutzwall einbauen, ist wieder eine Schlacht um das Überleben unseres orthodoxen Glaubens und Musikgeschmacks mit Erfolg geschlagen. IN SOLITUDE sollte man als Heavy Metal Fan hören, denn sie lassen unsere Musik überleben. Gerade jüngeren Metalheads wie sie selbst welche sind, werden IN SOLITUDE die Ohren und Herzen öffnen.
Sir Lord Doom

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CD

Zusätzliche Information

Gewicht 0.150 kg
Marke

0, 1

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