JACULA – Pre viam – digipak CD

17,00

1969 war es, da gab es von diesem legendären italienischen Projekt, aus dem letztendlich ANTONIUS REX erwuchsen, eine erste LP, „In cauda semper stat venenum“, die nur im esoterisch – spirituellen Umfeld der Musiker Antonio Bartoccetti (Gitarre, Stimme) und Doris Norton (Keyboards) Verbreitung fand. Es war eine Art Ritualmusik mit viel Orgel, knallharter doomiger Heavygitarre, die einige monolithische Akkordfolgen abfeuerte und dem düsteren Sprechgesang des Okkultpredigers Bartoccetti. Perfekte Musik für die Untermalung einer schwarzen Messe, höchst eigenwillig und der Welt entrückt. 1972 war dann Zeit für die „Tardo pede in magiam versus“ LP, welche sehr sanft und folklastig, allerdings auch progressiv und im wahren Sinne des Wortes „evil“ ausgefallen ist. Ich bekomme beim Anhören Bilder in den Kopf projeziert, an die ich mich aus dem alten Film „The Wickerman“ (mit einem grandiosen Christopher Lee) erinnere. Danach benannte man sich in ANTONIUS REX um und machte nicht weniger weltentrückte, aber durchaus näher am Progrock agierende Scheiben. 2011 ist es nun und JACULA ist wieder da, auch wenn ANTONIUS REX parallel läuft. Und weder die Technik, noch die Entwicklungen der Rockmusik sind irgendwie auf demselben Punkt wie 1972, obschon JACULA nach wie vor ihren ganz eigenen musikalischen Mikrokosmos bereisen. Zuweilen versöhnlicher, ja regelrecht schön und entspannend klingt ihre Musik. Eingängiger, melodischer, so sind sie geworden. Wunderbare, betörend schöne Momente mit pompös – spacigen Synthies und dunklem Gesang von Doris Norton wechseln mit rockigen Passagen, bei denen ein verspieltes Piano über lässigem Groove einen guten Nährboden für Soli von E Gitarre oder Synthesizer bietet. Aber das sind nur Momentaufnahmen. Zutiefst berührende, melancholische Abschnitte, die von eher traditioneller, akustischer Instrumentierung mit Piano und Holzklampfe in schwelgerischen Bombast übergehen, welcher sich aus den Läufen von elektronischen Tasteninstrumenten und Synthies bildet, sind ebenfalls keine Seltenheit und zerren den Hörer mit sich in die Tiefen seiner Seele. Hier scheinen oft deutsche Elektroniker wie Klaus Schulze oder TANGERINE DREAM Pate gestanden zu haben, wobei jene Legenden elektronischer Musik durchaus in der gleichen Zeit wie Antonio Bartoccetti und Doris Norton groß wurden. Immer wieder kommen die für JACULA typischen, verstörenden Einlagen wieder, zeigt sich sozusagen das Tor zur Hölle, welches allerdings in weitere Ferne gerückt ist. Und dann ist da ein Stück mit klassischen Mönchschorälen und wunderbarer Kirchenorgel, sowie ein paar kurzen Schlägen auf die Becken. Ein dunkler Brummton liegt unter diesem so herrlichen Stück und sorgt für ein gewisses Unbehagen. Urplötzlich erwächst wieder ein echter Rocksong aus all der spirituellen Musik, es ist symphonischer Progressiverock, wie ihn nur italienische Bands spielen können. Mit einer kleinen Unterbrechung, wo verzerrte Dämonenstimmen über merkwürdig spacigen Geräuschen zu uns sprechen, wird dann mit viel Dampf und Leidenschaft weitergerockt. Antonio spielt uns ein tolles Solo auf seiner SG, aber die Dämonen lassen nicht locker, sie brechen wieder aus dem Hintergrund hervor, mit sausenden Synthesizern und Donnerhall. Dann reißen sie den letzten Rest des Stücks mit sich in die brodelnden Höllentiefen. Fürwahr eine merkwürdige, nein, eine eigensinnige Platte, mehr ein Horrorfilm ohne visuellen Aspekt. Die Bilder entstehen in Euren Köpfen. Und es sind bestimmt keine Hollywood Fastfood Horror Klamotten, die Euch da in den Sinn kommen, sondern absolut abgründig dunkle altitalienische Klassiker aus den 60ern und 70ern. Ja, JACULA wandeln hier auf den Spuren von Claudio Simonetti und den Kultsoundtracklieferanten GOBLIN. Ich bin begeistert. Man muss schon eine Vorliebe für italienischen Progressivrock der 70er und für die alten Meisterwerke des italienischen Horrorfilms haben, um sich diesem Album hier vollkommen zu öffnen. Es verschmilzt Blues, Hardrock, Orgelprog, 70er Synthesizermusik, symphonischen Prog und Spacerock zu einem sehr lebendigen Klangorganismus, der Dich mit immenser Gier förmlich verschlingt. Schließ die Augen, lass Dich fallen und Du wirst süchtig sein nach JACULA.

Sir Lord Doom

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Zusätzliche Information

Gewicht 0.150 kg
Marke

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