PARAMAECIUM – Echoes from the ground CD

15,50

Australische Christendoomer mit Hang zum False Doom der Marke My Dying Bride…False Doom? Nun ja, wenn man gewissen Reinheitsfaschisten glauben darf, ich sage bewußt „Faschisten“ und nicht „Fetischisten“, dann sind solche Bands ja kein Doom. Okay, drauf gesch…, Ihr wisst schon. Es kommt auf den Ausdruck und die Emotionen bei der Musik an, nicht auf eine zweifelhafte Klassifizierung. Hier gibt es schleppende Riffs und träge vor sich hin trabende Rhythmen, hier gibt es eine melancholisch fiedelnde Geige, die uns Klagelieder singt, auf allem thront der Gesang, mittelhoch, erfüllt mit Resignation und tiefer Trauer. Sehr eigenwillig, was uns die Aussies da vorsetzen, ganz klar von den großen Brüdern aus dem Engellande inspiriert, aber nicht weniger geil. Die Musik ist gut arrangiert, sehr schmissig komponiert, mit dem Ziel, sich in der Seele des Hörers festzukrallen, sich dort zu verankern. Songs, meine Freunde, Songs sind das Zauberwort. Das hier ist das soundsovielte Paramaecium Album, die Aussies wissen also sehr genau, was sie zu tun haben. Nun, oben beschrieb ich bereits den ersten Song, jetzt kommt der zweite Track und gesanglich wechselt das Bild von gnadenloser Melancholie hin zu einer nicht minder gnadenlosen Boshaftigkeit. Der Gesang ist grollend, knurrend. Die Doomdeathbrigaden werden ein infernalisches Freudengeheul anstimmen. Die Riffs sind herrlich, heavy as fuck, schön morbide. Eine Passage wird mit beschwörendem melodischem Gesang angereichert, da, wieder, es scheint der Refrain zu sein. Erst kommt dieser melodische Gesang, dann setzt die knurrende Todesstimme ein. Die Texte sind übrigens trotz der Derbheit der Vocals gut verständlich. Das ist Musik, die an die frühen 90er erinnert, wo man den Doomdeath noch in seiner ganzen krankhaften Pracht zu zelebrieren wußte. Auch der Sound weiß zu gefallen, er ist heavy und lebendig, sehr bodenständig. Keinesfalls hyperdigital, wie es uns die heutige Metalwelt als Non Plus Ultra vormachen will. Der dritte Song setzt ein. Wieder diese betörende Geige, die eine folkige Stimmung erzeugt, aber auch wieder die dämonische Deathmetalstimme, das unheimlich böse Knurren. Die Riffs sind brachial, dabei eingängig, mittelschnell stapfende Parts wechseln mit kriechenden Passagen ultradoomiger Art ab. Und wieder zeigen Paramaecium ihr Können darin, nachvollziehbare Songs zu schreiben, statt sinnlos Parts aneinanderzureihen. Diese Band walzt alles in Grund und Boden, was sich ihr in den Weg stellt. Sie zermalmt auch die Gefühle in Dir, die Dir Qual und Verfall bedeuten. Du pendelst Dich emotional auf die Band ein und eine wohltuende Apathie keimt in Dir. Soli, nun, wirkliche Soli habe ich bislang nicht vernommen, hier und dort einige in die schweren Riffwalzen eingebettete Harmonien schon. Die Geige übernimmt für die Gitarren das Solospiel, so deucht es mir. Paramaecium sind ein gefundenes Fressen für diejenigen Zombies, die noch immer die Frühphase von Anathema, die deathigeren My Dying Bride, Paradise Losts erste beide Alben (minus der Soli, haha) und dergleichen sicke Truppen am liebsten haben. Das vierte Stück schenkt uns mehr Melodie. Schön schleppende Arrangements, zu Tode betrübte Melodien, eine elfenhafte, aber unpeinliche Sängerin, vollkommen dem grausamen Schicksal ergebener Männergesang, eine kleine Leadgitarre, die dieses Mal auch eindeutig aus dem Riffing hervorsteht, das macht diesen Song aus. Er bohrt sich regelrecht in Deinen geschundenen Leib und raubt Dir mit seiner hypnotischen Schwere den letzten Willen zum Widerstand. Als stündest Du vor Deinem eigenen Grab und würdest gleich den Todesschuß empfangen, wohl wissend, daß kein Weg aus dieser Lage hinausführt, auch nicht auf der anderen Seite des Lebens, im Tode. Einige weniger schleppende Parts geben dem Song Abwechslung. Stück Nummer Fünf, auch hier gibt es rein stilistisch keine Variationen. Paramaecium ziehen ihr Ding stur durch, münzen ihre Visionen in Songs um, die die Tragik des Lebens wie sehr schön wiederspiegeln. Und? Ist das hier vielleicht falscher Doom? Es ist Deathdoom, ganz klar, aber es ist ehrliche, emotionsgeladene Musik, die nicht irgendwelchen Trends hinterherjagt. Wie gesagt, wer nicht auf Doomdeath steht, der kann Paramaecium außer Acht lassen, respektlos äussern sollte er sich jedoch nicht. Komisch, man vermisst nicht einmal die Gitarrensoli. Da können meine döschen Kollegen noch so meckern, diese Scheibe hier ist echt ein Goldstück.

Sir Lord Doom

Doomdeath a la My Dying Bride / early Anathema / God Forsaken

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CD

Zusätzliche Information

Gewicht 0.150 kg
Marke

0, 1

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