EVEN FLOW – Ancient memories CD

12,00

Progressive Metal steht also nach wie vor hoch im Kurs bei den Musikern. Und immer wieder kommen sie, diese Stereotypen, diese Genrestandards. Gelangweilt greife ich also in den großen Topf und schaue mir an, was man mir auf den Schreibtisch packt, da erwischt es mich aus der Langeweile heraus eiskalt. EVEN FLOW, okay. Das in dunklen Tönen gehaltene Cover sieht nach einem sehr anspruchsvollen und zum Nachdenken anregenden Stoff aus, der wahrscheinlich die ganzen pseudointellektuellen Teetrinker unter den Möchtegernmetallern ansprechen soll, aber trotz der für das Genre Progmetal wohl typischen Instrumentierungen sind EVEN FLOW ein ganz eigenwilliges Grüppchen. Über zwei Songs bekommt man schön treibenden, wenngleich etwas verspielteren Metal zu hören, der nur so vor grandiosen, einprägsamen und doch zauberhaften Melodien übersprüht, entdeckt die wahre Virtuosität des Mannes an den Synthesizern, der tolle Läufe spielt und gerne die Gitarrenfront mit seinen Ideen antreibt. Und dann sitzt man im Titelsong, einem ruhigen, fast ausschließlich akustisch instrumentierten Stück zwischen Singer / Songwriter Folkromantik und tiefer Artrockmelancholie gelegen, erfüllt mit einer spirituellen Kraft, die ich seit dem 70er Prog kaum mehr hab spüren dürfen. Und melodisch, mit großen Gesangslinien geht es danach weiter. Wieder sind es harte Gitarren und eindringlicher Gesang, die einen mittelschnell wogenden Song bestimmen, der durch leicht verwinkelte Riffs und Rhythmen zwar durchaus Prog ist, aber mehr als nur technischen Anspruch bietet. Die Melodieführung ist so emotionsgeladen, dass die Band, insbesondere der charismatische Frontmann, schier zu explodieren scheint. Eine besondere Gefühlswärme bestimmt dieses Album und genau das ist dem Großteil der oben bereits kurz angedissten Standardprogmetalbands lange schon abhanden gekommen. Einflüsse aus dem melodischen Hardrock und AOR werden geschickt integriert, alles ein wenig geschmeidiger, aber stets kraftvoll klingen zu lassen und der Neoprog der frühen 80er ist da nicht weit. Meine Güte, was sind das für Songs? Eigentlich gehören diese Hymnen auf hohe Platzierungen in die Rockcharts. Gut, in Zeiten von, ach, ich sprech es nicht aus, so sehr widert es mich an, ist das wohl ein utopisches Wunschdenken. Aber diese Band kann überaus viel. Sie haben ebenso MARILLION und PALLAS, wie auch ganz frühe DREAM THEATER, THRESHOLD und einen Hauch ELOY im Blut. Das muss ich erstmal sacken lassen. So macht mir der Progmetal besondere Freude. Man kann nun darüber lamentieren, dass das alles hier durchaus RETRO PROG METAL ist, aber das sei EVEN FLOW vergönnt. Was zählt ist die überaus geile Musik, sind die wirklich guten Melodien. Ach ja, bevor ich es vergesse, diese Herrschaften sind Sarden, wie ICY STEEL oder MEGAHERA, echte Sarden. Wenn ich die Qualität der Gruppen auf Sardinien so betrachte, muss diese zu Italien gehörende Mittelmeerinsel wahrlich ein Paradies für kreative Musiker sein. Wahrscheinlich gibt es dort aber nur kein vernünftiges Fernsehprogramm und somit sind die jungen Musikliebhaber unverdorben und frei. Lange Rede, gar kein Sinn, Early School Progmetalfans, Neoprogliebhaber und generell Freunde von kreativer, eleganter und betörend schöner Rockmusik zücken ihre Kohle und holen sich das geile Stück.

Sir Lord Doom

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CD

Zusätzliche Information

Gewicht 0.150 kg
Marke

0, 1

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