THE LOVING TONGUE – Distant dreams 2-CD

18,00

Jimmy Petkoff ist mir schon so einer. Kommt er mit einer vollkommen brillanten Doom / Heavyrock CD seiner Band namens Raven Black Night von Australien über den indischen Ozean gen Itzehoe geschippert, haut er kurze Zeit später mit seinem schon etwas älteren Loving Tongue Doppel Album noch mehr auf die Kacke. Raven Black Night sind zu gleichen Teilen Black Sabbath und Thin Lizzy, Loving Tongue sind in der Tat noch mehr. Manchmal ist es doomiger Heavyrock, massive Riffmauern, immer wieder von wuchtigen Mid Tempo Passagen oder aufgebrochenen Mittelparts, bei denen die Band fast schon ins Jammen gerät durchzogen, sehr eigenwillig im entgültigen Ausdruck, gerade durch Jimmys helle, etwas zitterige Stimme, die mit den besten Kauzmetalsängern der Welt mithalten kann. Alleine, daß Jim crazy genug ist, quasi zwei Unteralben von jeweils gut einer Dreiviertelstunde zu einem Gesamtthema zusammenzustellen, macht dieses Meisterwerk ganz besonders. Wenn Loving Tongue Keyboards einsetzen, dann verstärken diese wie im treibenden „Queen of the night“ nur noch die Intensität des jeweiligen Stückes. Und Jimmy soliert, er soliert gut und gerne, geht auf dem Griffbrett ab wie ein Irrer, ohne allerdings die Grenze zur selbstdarstellerischen Gitarrenonanie zu überschreiten. Einige Leads bestehen aus vier oder fünf Spuren, in denen das Thema zur Intensitätssteigerung in jeweils anderen Tonlagen gespielt und leicht versetzt übereinander gelegt wird. Das bläst einem die Seele aus dem Leib. Aber Loving Tongue können auch anders, ganz sachte und besinnlich eine Stimmung innigster Liebe und Friedfertigkeit erschaffen, in der man sich geborgen fühlt, wo sich der Hörer fallen lässt. Natürlich ist das dann keine AOR Kitschballade für unkontrollierten Radioeinsatz zwecks Befeuchtung der Schlüpfer dummer Teeniehäschen. Bei „Loving ways today“ schlägt die Sanftmut urplötzlich in einen mystisch – schwebenden Part um, mit einer unheimlich schönen Stimmung, bevor dann ein Hardrocksturm ausbricht und wilde, fetzende Riffs alles zerlegen, was sich ihnen in den Weg zu stellen wagt. Jimmy entfacht hier Wahwah – getriebene Leads von ganz eigener Art. Verspielte Zwischenpassagen knüpfen einen Hauptabschnitt an den nächsten. Die Grundmelodien hier sind und bleiben erfüllt mit Liebe. Als hätte man 1974 spätestens alle Größen von Rush über Black Sabbath und Led Zeppelin bishin zu Pink Floyd eingefroren und erst heuer wieder aufgetaut, ins Leben zurückgerufen. Jugendlich vom Gefühl her, hungrig und voller Leidenschaft. Loving Tongue, das ist Psyche, das ist Doom, sphärischer Prog oder Spacerock, der Dir die Füße vom Boden wegreißt. Um Genres kümmert sich das australische Trio wahrlich nicht, aber gerade das macht diese Band aus. Die unbändige Lust auf Musik, ganz ohne Dogmen, erfüllt mit Inspiration. Und nicht nur die größten Mainstreambands der 70er (ab den 80ern wurde der Mainstream nämlich zu plattgebügelter Popgrütze, die nur den Einfältigen unter den simpel gestrickten Naturen zu Begeisterungsstürmen hinreißen konnte), sondern gerade auch der mystisch – magische Untergrund mit den US und UK Legend, Winterhawk, Manilla Road, frühen und damit unmetallischen Cirith Ungol und derlei Killeracts bekommt Zuwachs. Ach, übrigens…wenn Ihr die neue Candlemass liebt, Loving Tongue können nicht nur peacig und progressiv bzw. hardrockig. Wenn Jimmy den Metal kriegt, dann lebt er ihn auch aus, episch, schleppend, düster, ganz majestätisch, gerne auch etwas verspielter dann, aber das kennen wir ja schon, im Rhythmusbereich immer mit einem lockeren Swing. Ein Song wie „Lady in black“ (Kein Heep – Cover) ist purer Up Tempo Heavymetal mit kraftvoller Gesangslinie und mörderischen Riffs, die Dir die Nackenmuskulatur zerledern. Und wie wild die Truppe hierbei wird. Sogar quasithrashige Momente finden sich in diese Song und eine kleine Tin Whistle Melodie. Irre? Vollkommen durch den Wind? Aber hallo! Auf der instrumentalen Bridge zum Refrain wird der Thrash ausgepackt, erst wild peitschend mit beinahe blastenden Drums, dann etwas sachter treibend, dann mit kranken Riffs und absteigenden Wirbeln auf den Toms. Währenddessen im Solopart dutzende von Leads zur gleichen Zeit die Sinne verglühen lassen. Irgendwann setzt eine Orgel ein, die ein Fünkchen mehr Farbe addiert und wieder kommen Tin Whistle Einlagen, zu schön für diese Welt. Warum soll ich dann noch den ganzen Standardmetal wahrnehmen, der mir hier tagtäglich um die Ohren gebraten wird? Dieses Stück Musik hier hat alles, was ich von echtem Metal erwarte. Inspiration, Leidenschaft, Seele, Feuer und packendste Melodien. Und das war erst der „When angels sing“ Part des Albums, „Warriors cry“ ist sicherlich nicht weniger irrsinnig! Da gibt es mit „Lost princess“ einen treibenden Heavy Metal Song mit fantstischer Orgelbegleitung, so als wären die frühen Heep eine Metalband geworden, dann mit „Indian chief“ groovigen, hypnotischen Hardrock mit eingängigem Refrain und vielen feurigen Soli. „Death“ ist einfach nur heavy und brachial stampfend, doomig, mit rauh geshouteten Vocals, sehr monolithisch und derbe, dann sphärisch und betörend im ruhigen Mittelteil. Einige der schönsten bislang gehörten Gitarrenleads und wirklich packende Soli machen diesen Teil des Songs umso intensiver. Hier leben Besessene ihre Passion aus, das ist mehr als nur harter Rock, das ist eine spirituelle Erfahrung. Quasi Celtic Frost, die auf die sphärischen Parts von einigen Mittsiebziger Black Sabbath Songs treffen. Vielleicht noch ein wenig farbenprächtiger. Vollkommen spacig wird es dann mit der abschließenden Trilogie „Warriors of enchantment / Lady of the sea / Soft lonely love“, ersterer und letzterer Song eher kurze Intermezzi, die das sich langsam aufbauende, bis zu einer Psychedeliceruption steigernde „Lady of the sea“ umrahmen. Jener dreizehnminütige Spacetrip wird Euch sicherlich sämtliche Sicherungen durchbretzeln. Hallelujah! Nicht ultimativ heavy, aber bezaubernd. Du wirst aufgesogen, absorbiert von diesen hypnotischen Klängen, hinfortgezogen aus der grauen Wirklichkeit, hinein in eine Welt voller Pracht und Anmut, wo Deine Seele frei sein kann. Herrlich! Gut, aufgrund der Länge dieses Gesamtwerkes und der Vielfalt sind beinharte Genredogmatiker bei Loving Tongue aussen vor. Freimütige Liebhaber ausgefallener Rockmusik, die metallisch hart, aber auch sanftmütig schön sein kann und doch immer eine unheimliche Intensität mit sich führt, werden hier ihr El Dorado vorfinden. Loving Tongue hört man nicht einfach, man lebt sie.

Sir Lord Doom

Raven Black Night Ableger, Doom / Psyche / Prog / Obskurmetal

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2-CD

Zusätzliche Information

Gewicht 0.300 kg
Marke

0, 1

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