SLOUGH FEG – The animal spirits CD

3,00

Eine neue SLOUGH FEG schneit ins Haus und ich freue mich diebisch drüber, denn im Bereich aktueller Traditionsmetal – und – hardrockbands sind sie ganz vorne mit dabei, weil sie immer eigenwillig und höchst charismatisch zuwerke gehen. Und da geht es mit dem Opener schon in die Vollen, der ein für SLOUGH FEG typischer fetziger Donnerrocker ist, hymnisch und wild, mit ergreifend emotionalen, aber sehr direkten Vocals von Mike Scalzi Deine Seele aus Dir raussaugen will. Wow! Was für ein Einstand, „Tricking the vicar“. Da spielen wieder Mr. Scalzis Kreativität und Fantasie verrückt. Die Leadgitarren sind fantastisch, die Soli stecken so voller Gefühl, voller Leidenschaft und Verzweiflung, es packt einen, zerreißt einen. Ich liege bereits nach dem ersten Stück heulend vor schierem Glück am Boden, da kommt „The 95 Thesis“ über mich, ein wogender, krachender, zuweilen leicht galloppierender Heavy Metal Burner, der sich gut auf einer britischen Platte der frühen 80er gemacht hätte und den ungezwungen verspielten Geist der 70er JETHRO TULL mit der späteren Metalpower verknüpft. Wieder ein urtypischer SLOUGH FEG Song, wild, einfach nur komplett wild, zu wild für absolut geordnete Strukturen. Gerade die Solopassagen, as usual, da haben die Helden aus San Francisco sich bei den noch älteren Heroen der frühen 70er einen abgeguckt. Aber das ist mir auch recht so. Der Zeitgeist spricht von leblosen Digitalproduktionen, von überzuckerten Schlagermelodien auf klanglosen verzerrten Gitarren, Nähmaschinenschlagzeug und uncharismatischem Gleichklangsgesang, SLOUGH FEG setzen wie die Blöden dagegen. Auch mit einer verdammt kurzen Scheibe. Aber moment, lieber knapp 39 Minuten ultimativen Spaß mit genialen Songs, als 74 Minuten, von denen 40 Minuten nur Dreck gebracht wird, um die Platte auf „Value for money“ zu trimmen. SLOUGH FEG sind auf dem gesamten Album erfrischend unmodern und gleichsam zeitlos, spielen, spielen und spielen nochmals, bis dem Zuhörer die Ohren klingeln vor lauter verhexter Riffs, die sich mit der Zeit als gigantische Ohrwürmer entpuppen. Ihr Spiel ist ebenso technisch brillant, wie losgelöst von allen Genredogmen, allen festgetrümmerten Strukturen, es sind wilde, leidenschaftliche Improvisationen, die jedoch zu keiner Sekunde ihre Linie verlieren. Viele Metalheads werden ihre Probleme damit haben, gerade die neue Generation. Keine tiefergestimmten Computergitarren, keine Nähmaschinenrhythmen und keine klebrig – zuckerigen Engelsmelodien. Hier gibt es bodenständigen Heavy Metal, der sich nicht verschließt, für den es nicht „true“ und „false“ zu geben scheint, der nicht auf ein Image, sondern nur auf die Musik ausgerichtet seine Magie verströmt. Die Songs haben eine gesunde Länge und sind sicherlich verwinkelt, nicht jedoch frickelig. Eine lebendige Spielfreude geht von ihnen aus und sie packt auch den Hörer an sich. Schön sind die Stellen, wo zu den zurückhaltend rockenden E Gitarren eine akustische Klampfe stößt, sie begleitet und unter den doch härteren Riffs eine Atmosphäre sehr freundlicher Natur erschafft. So macht der Heavy Metal und Heavy Rock wieder Spaß. Power ja, unkontrollierte Aggressionen und sinnlose Klanggewalt nicht, dafür umso eindringlichere und betörendere Melodien. Eine der Topscheiben 2010.

F.A.T.

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