ANTONIUS REX – Switch on dark LP

18,00

Das 2006er Album von Antonio Bartoccetti und Doris Norton nebst begleitenden Musikern aka Antonius Rex ist eine sehr eigenwillige und für progressivrockunwillige Musikhörer kaum geeignet. Mich erinnert es an die sphärischen, düsteren Soundtracks der Band Goblin. Gesang gibt es so gut wie keinen, dafür ein Gewusel aus langen, instrumentalen Rocksongs mit sowohl proggigem, als auch bluesigem Feeling, deren Stimmung zwischen cool und obskur – dunkel pendelt und kranken, sehr sinisteren Klanglandschaften und auf Synthesizerklängen basierenden Themen. Wie ich sagte, dieses Album könnte durchaus die Untermalung eines sehr geheimnisvollen Horrorfilms der 70er sein, natürlich vom Klang her moderner. Die B Seite mit dem überlangen Jamrocker „Fairy Vision“ und dem abschließenden „Mystic Drug“ ist dabei besonders schön geraten. Letzterer Song hält okkult – rituelle Elemente Parat, Mönchschöre, eine bluesige Leadgitarre, folkige Momente, synphonische Passagen und an Kammermusik erinnernde Einlagen. Eine wirkliche Melodieführung mag nicht vorhanden sein, aber die erschaffene Atmosphäre ist es, die hier zählt. Antonius Rex waren noch nie Popmusik, auch wenn sie derlei Elemente irgendwie immer dabei hatten. Nun, „Switch on Dark“ ist sperrig und extrem finster, wie man es vom Großmeister der Klangmagie, Herrn Bartoccetti gewöhnt ist. Musikhörer mit einseitigem Geschmack werden Kopfschmerzen bekommen, das ist sicher, aber so läuft der Hase bei Black Widow Records. Null Kommerz, umso stärker der Wille zum Experiment. In der heutigen Gruft – und Gothicszene wäre diese Scheibe sicher ein Renner, sofern diese denn von Antonius Rex einmal Notiz nähme. Sie ist schön, diese Platte, sehr merkwürdig, aber schön. Viele Melodien hier, gerade bei den weniger rockigen Songs, schwelgen in tiefster Melancholie, die uns in die düstersten Abgründe der Seele leiten soll. Spacige, trippige, leicht tanzbare Momente kommen hervor, bezirzen die Sinne mit ihrer dunklen Schönheit. Es sind Passagen, die Dir das Gefühl der Entgültigkeit geben, die melancholische Intensität der Kompositionen noch steigern. Dann sind da diese spartanischen Abschnitte mit tief im Hintergrund stehenden Geräuschen von Tasteninstrumenten, Pianoklängen, Orgeln, kurzen Stimmeinlagen, die wie gerufene Befehle klingen. Und hier ist dieses boshafte Flüstern. Auf einmal scheinen all diese Klangkomponenten zueinander gefunden zu haben, der Ablauf des Stückes wird flüssiger und doch bleibt dieser Ausdruck kompletten Wahnsinns erhalten, der der gesamten LP anhaftet. Sie ist schwerlich für reine Konsumentenseelen zu verkraften, auch wenn ich mich wiederhole, es ist so. Ich würde zu diesem Album gerne einen Film im Stile alter Argento Streifen sehen, wo die Toten aus den Gräbern steigen oder Dämonen versuchen, in einer dunklen Realität abseits des Offensichtlichen Fuß zu fassen und sich mit Menschenopfern ködern lassen. Antonius Rex ist der wahre Soundtrack zur Beschwörung allmächtiger Geisteswesen.

Sir Lord Doom

Black Widow Records

Artikelnummer: 13616 Kategorie: Schlagwörter: ,

LP

Zusätzliche Information

Gewicht 0.300 kg
Marke

0, 1

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