RIPPER – The dead have rizen LP

18,00

Satte zwanzig Jahre hat es gedauert, bis die vorliegenden Songs in die Festplatten gefräst werden konnten, wiederum zwei Jahre hat es gedauert, bis nun endlich das neue Album von RIPPER die Öffentlichkeit mit Schauder und angenehmem Grusel heimsuchen darf. Rob Graves, seines Zeichens Bandleader, Gitarrist, Sänger und Kreativpool von RIPPER, ist wahrlich überglücklich, diese Scheibe letztendlich auf die Welt losgelassen zu haben. Schon auf ihrem 86er Erstling „And the dead shall rise“ waren sie eigentlich die amerikanische Antwort auf DEATH SS, sogar früher als diese dran mit einem Album („In death of Steve Sylvester“ kam erst 1988), es gab sie sogar seit demselben Jahr, 1977. Gekannt haben dürften sie sich wohl nicht, ich nehme an, dass die Haupteinflüsse ALICE COOPER und BLACK SABBATH einfach bei beiden Bands gleich waren. Ein Interview wird das klären. Nun zu diesem zweiten RIPPER Album. Also, neue Kompositionen sind hier definitiv in der Minderzahl, ein Großteil des Materials wurde bereits 1987 geschrieben, nachdem sich die Band vorerst von der Bildfläche verabschiedet hat. Ich müßte nochmals „And the dead shall rise“ anhören, um die Unterschiede benennen zu können, wo ist das kleine Miststück? Aaaah, gefunden, rein in den Player und, welch Überraschung, wenn man den eher minderbemittelten Sound weglässt, den uns „And the dead shall rise“ da bot und der durchaus positiv zur sinisteren, nihilistischen Stimmung des Albums beitrug, wären viele der neuen Songs durchaus auch passend für das Debüt. Hart, düster und rifflastig gehen RIPPER zuwerke. Ich weiß nicht, welche der acht Hymnen, „The grave“ ist nur ein Intro, „Dark dominion“ das Pendant am Ende der CD, ich am meisten Loben soll. Sie alle zeichnen sich durch eigenwillig mittelhohen Gesang und gelegentliches Raunen und Grummeln aus, durch betörende Leads, die eine bleischwere Atmosphäre heraufbeschwören, durch dämonische Keyboardeinlagen und wuchtige Rhythmen, die gerade im Bereich des Schlagzeugs so richtig schön kraftvoll und dabei immer natürlich klingen. Der Sound ist durchaus zeitgemäss fett, aber er hat wirklich Tiefe und Leben. Die Kompositionen brodeln regelrecht, mit jedem Durchlauf der CD werden weitere schöne Details offenbar. Dieses Album ist trotz der von Anfang an hörbaren hohen Qualität des Songwritings noch ein Grower. Ein eingängiger Hardrocksong wie „66 angel eyez“ mit einem unwiderstehlichen und doch so anderen Refrain oder ein derber stampfender Brecher wie „U.S. Tank“ sind Meisterwerke amerikanischer Stahlschmiedekunst. Alles an diesem Album ist im Grunde traditionell, alles ist orthodox, von ein paar Effekten des Synthesizers abgesehen. In die Melodien muss man aber zuerst eintauchen, sie in ihrer Gesamtheit durchleben, dann erst entfalten sie ihre üppige Fülle. Sucht nicht nach komplizierten Spielchen, RIPPER kommen immer präzise auf den Punkt mit eher simplen und doch so effektiven Läufen. Sie sind Doom, sie sind Heavy Metal, sie sind düster und doch irgendwie frech und glammig, aber stets auf sehr direkte, brachiale Art. Genial in allem was sie tun, schaffen sie den Spirit des 80er Kultmetal ins neue Jahrtausend, ohne dass auch nur ein Fünkchen Magie verlorengeht. Sie sind keine Retroband, aber sie treten den ganzen Pseudometalkapellen auf den größeren Pseudometallabels, die so gerne auf den Pseudometalfestivals den Hammer fallen und den Drachen furzen lassen, die Pobacken bis zum Halse rauf. Sie fahren mit „The tall man“ (dem Bösewicht aus „Phantasm“ gewidmet) ein schaurig schönes, sehr dramatisches und mitreißendes Instrumental auf, zu welchem sich der geneigte Headbanger die Rübe vom Halse schrauben kann. Straight und melodisch, vor allem aber sehr stolz und entschlossen donnern und tosen sie hier wie eine tollwütige Wildsau durch die Botanik. Besser kann man Heavy Metal wohl kaum zelebrieren, denn von reinem „Spielen“ kann hier keine Rede mehr sein. Rob Graves und seine Mannen rocken wie die Besessenen! Ich möchte mich fast überschlagen vor entfesselter Lust. Neben sieben Eigenkompositionen hat man noch ein KISS Cover aufgefahren, das dämonische „God of thunder“ vom ollen „Destroyer“ Album. Dreissig Jahre nach der Erstveröffentlichung ist der Song nach wie vor ein frischer, diabolischer Stampfer, bei dem die Gesangsmelodie von den Tönen her abgeändert, von der Struktur aber beibehalten und die Stimme leicht mit Effekten überlagert wurde. Der Refrain ist doppelstimmig gesungen. So klingt das Stück gleichzeitig wie Hölle nach der alten Schule des Rock und doch zeitgemäss, nein, eher zeitlos. Eine Verbeugung vor dieser Band ist fällig, Freunde! Alleine das doomige Ende des Stückes macht RIPPER keiner nach. Im Grunde müssten sie mit diesem Album die Charts von beiden Enden aufrollen, aber wie die Gerechtigkeit nun mal so ist, ihre Blindheit schlägt sie immer dann wenn man sie dringend braucht. Gut, egal, die Mainstreamer würden ohnehin erzittern bei solch geballter Metalkraft. Diese Band gehört auf unsere Bühnen! Holt sie Euch!
Sir Lord Doom

Black Widow Records, US Horrormetal a la HALLOWEEN / DEATH SS

Artikelnummer: 15107 Kategorie: Schlagwörter: ,

LP

Zusätzliche Information

Gewicht 0.300 kg
Marke

0, 1

Zuletzt angesehene Produkte