REINO ERMITANO – Brujas del mar CD

15,50

Peruanischer Doom, das ist obskur, oder? Nun, mal abgesehen von der spanischen Sprache beim Gesang, ist die Band eigentlich sehr traditionell mit düsteren, tonnenschweren Riffs, brodelnden Leads und groovenden, schleppenden oder treibenden Passagen. Sängerin Tania hat eine beschwörende, mittelhohe Stimme, die sehr gut zum wuchtigen Gesamtsound passt, ist auf jeden Fall unser „Liebling“ (Doomfreaks wissen, worauf ich anspiele). Zum Teil ist ihr Gesang sehr gespenstisch, hoch und quitschig wie beim zweiten Song „Curandero de una realidad incierta“, wo sie stimmlich an diverse fiese Gnome aus diversen Horrormovies erinnert. Wie sie diesen Effekt hinbekommen haben, kann ich nicht sagen. Es ist auf jeden Fall die pure Hölle. Todgeil. Folkig – progressive Flöteneinlagen finden sich auf dem elegisch dahinkriechenden „Elipses“, einem Doomer mit von Resignation und tiefer Tristesse kündenden Grundmelodie, sehr dunklen Gitarrenläufen und einer besonders mystisch klingenden Tania. Man gibt sich also doch nicht so puristisch, aber das hat ja schon das etwas schneller intonierte Eröffnungsstück „La corte“ gezeigt, wo ebenfalls folkige Einsprengsel den puren Heavydoomrocksound auflockerten. „Alajpacha“ ist sogar nur ein kurzes Intermezzo auf akustischer Gitarre mit der typisch südamerikanischen Ausstrahlung, Lebensfreude unbändiger Art trifft auf tiefste Melancholie. Ebenso akustisch fängt „Crepuscular“ an, ein sehr folkiger Lauf, der an russische Musik erinnert, weiß der Geier warum. Gleich darauf setzen jedoch die wuchtig brummenden Doomgitarren ein und zermalmen Dich. Der Song ist recht eingängig und mystisch gehalten, die Gesangslinie sehr beschwörend. Wieder gerät Tania in ihre dreckigen höheren Lagen, die durchaus was von diversen Punk – oder Metalsängerinnen haben. Sie schlägt sich gut, verdammt gut. „Crepuscular“ bricht irgendwann vollkommen aus sich heraus mit sehr intensiver Gitarrenmelodie und packendem Gesangslauf. Man ist geneigt, die Faust zu erheben, so ergreift einen die pure Metal Fury, bevor wieder dieser kriechende, schleppende Doom einen ergreift und unter sich begräbt. Auch mittelschneller Boogey wird geschickt mit in den Song eingeflochten, grad beim sehr entfesselten Solopart, welches in seiner ungezwungenen und lockeren Art stark an die 70er erinnert. Nach LA IRA DE DIOS ist dies nun die zweite neue Rockband aus Peru, die mir als 70er beeinflußter Act unterkommt, auch sie hat Texte auf Spanisch, allerdings sind REINO ERMITANO kein Spacerock, sondern knallharter und düsterer Doom. Und „El fauno“ kann das als Song nur zementieren. Die knarrigen Akkorde von Gitarrist Henry Guevara sind so klassisch wie sie nur sein könnten. Einfach, extrem heavy und voller Magie, voller Leidenschaft und Gefühl. Typische, etwas melodischere Läufe werden angebracht. Boogeyhardrock im Doomgewand, ja fein. Dann wieder ein kirrer Solopart, wo Bass und Schlagzeug für sich zocken und dem Gitarristen einen schönen Untergrund liefern. Ein klassisch lateinamerikanisches Instrumentalstück auf akustischen Gitarren wird eingeschoben. Huch? Song im Song? „El Fauno“ bricht dann urplötzlich wieder los, nimmt melodientechnisch eine etwas andere Richtung, verhallt nun ganz so plötzlich, wie er wiedergekommen ist. Weg! Nun aber soll erdig groovender Heavyrock uns von der Düsternis befreien. Denkste. Auch wenn die Gitarrenmelodien eher cool brummen, dieser hypnotisch walzende Song ist dunkel, leicht verspielt und schön morbide. Wie heißt er nun noch gleich? „Hoy, La Tarde!“ REINO ERMITANO (ERMITANJO ausgesprochen) geben sich ganz puristisch, rhythmisch ab und zu einmal etwas vertrackter, aber doch typisch mahlend. Die Leadgitarren in „Hoy, La Tarde!“ klingen so schön abgeflogen, quietschen betörend vor sich hin, wie zu besten SAINT VITUS Zeiten. Und so hat Dich der Song in seinem Bann, auch wenn er eigentlich genretypisch ist, aber es kommt nicht auf Innovationen an beim Doom, die Magie zählt. Eine warme, keltische Melodie auf akustischer Gitarre gespielt, empfängt Dich nun. Sie dringt tief in Deine Seele ein und entfesselt Deine innersten Gefühle. Du versinkst in Dir selbst. „Oraculo“ ist der Titel dieses wunderschönen Instrumentals, dem sich die pure Hölle in Form des mittelschnellen, sehr aggressiven „Rosas del revés“ anschließt, dem aber auch diese typisch kriechenden Passagen nicht fremd sind. Und auch hier weichen REINO ERMITANO nicht vom vorgegebenen Doompfad ab, wissen dennoch den Hörer zu packen. Doom kann das, Doom ist der Blues der neuen Zeit, beseelt, hingebungsvoll, emotionsgeladen. Tolle Soli und Leadattacken gibt es bei „Rosas del revés“, eine recht hymnische Passage sogar, wo unter der mitreißenden Melodie der Leadgitarre die schöne Tania wortfreien Gesang bringt. Aber der Mittelteil währt leider nicht ewig, doch was heißt leider. Das traditionsdoomige Grundthema ist uns schon Labsal genug. Beschwörend psychedelisch geht es mit dem nächsten Stück los. Eine akustische Gitarre spielt eine dunkle Melodie in der Schleife, darüber säuselt und heult eine gespenstische Stimme. Und schon gerät der Song in eine Doomeruption. Schwerfällig wälzt sich das Stück mit brachialen Gitarren aus den Boxen, dann auf einmal verklingen diese und nur eine Akustikklampfe übernimmt den Ton in der ersten Strophenhälfte. Wieder ein Umschwung zur heavy unterlegten zweiten Strophenhälfte und eine Wiederholung des Strophenthemas, nur eben mit Heavygitarren. Dann ein Solopart, auch hier mit vollkommen abgeflogener Leadgitarre, die halb bluesig klingt. Ist da eine Mundharmonika im Hintergrund? Uh? Noch mehr BLACK SABBATH geht aber eigentlich gar nicht. Die instrumentalen Abschnitte dieses Songs sind erfüllt von wilder Leidenschaft und bedingungsloser Hingabe, die den Hörer selbst willenlos einen irrsinnigen Veitztanz aufführen lassen. Die Rhythmen sind beinahe manisch bessessen zu nennen. Und als hätte ich es nicht geahnt, bricht der Song in sich zusammen und schafft Platz für eine anrührende akustische Passage von bezaubernder Schönheit, über der Tania tief melancholische Harmonien singt. Akustisch geht es auch mal wieder gleich in den nächsten Song. Das scheinen die Peruaner echt zu lieben, aber solange dabei Stücke von höchster Intensität herauskommen, ist mir das recht. Tania singt eine nachdenklich stimmende Melodie über einer akustischen Gitarre im Song „Magdalena del mar“. Mehr nicht, ein wenig Echo auf ihrer Stimme vielleicht. Dann kommt eine Querflöte ins Spiel, oder ist es eine Panflöte typisch südamerianischer Art? Die Passage nun ist etwas energetischer, weniger von Melancholie erfüllt. Meeresrauschen bringt einen wieder auf den verträumten Anfang des Songs zurück. Sanft summt Tania in mehrfacher Ausführung darunter. Und in der mit resigniertem Ausdruck belegten Strophe singt sie auch gleich mehrstimmig. Geiler Effekt! Man hört noch die Brandung, die Wellen an den Strand spülen, ist tief in sich versunken. Dann entschwindet die Musik in die Unendlichkeit und mit ihr Deine Seele. Ja, dieses Album ist absolut packend, absolut magisch. Auch wenn die Musik ganz traditionell keine Innovationen bringt, sie ist erfüllt mit Inspiration und purer Lust an ihr. Die Musiker sind bilden eine der aktuell besten Bands im hardrockigeren Doombereich und haben trotz der genretypischen Kompositionen einen sehr eigenen Charakter und durchdringende, sich nach und nach einprägende Songs am Start. Top Album!

Sir Lord Doom

Psychedoomelic Records

Artikelnummer: 11978 Kategorie: Schlagwörter: ,

CD

Zusätzliche Information

Gewicht 0.150 kg
Marke

0, 1

Zuletzt angesehene Produkte